Die Guts-Geschichte

Gut Neuensund ist ein Gutshof ehemals im Besitz derer von Arnims.

Idyllisch gelegen im Herzen der Uckermark ist es der ideale Ort um sich zu regenerieren, entspannen, wohlfühlen, aber auch seiner Kreativität und freien Lauf zu lassen um sich neuen Zielen zuwenden zu können...

Das Guthaus Vorderseite
Gutshaus
Das Gutshaus Rückseite

Wie alt der Ort Neuensund wirklich ist, kann man heutzutage kaum noch ermitteln. Durch seine Lage an einer über Jahrtausende hinweg wichtigen Handelsroute dürfte die Geschichte des Ortes aber sehr viel älter sein als die erste Erwähnung der Kirche Neuensunds 1375 vermuten läßt. Auf der Salz-und Heringsstraße – die übrigens auch heute noch erkennbar quer über den Guts-Hof verläuft – wurden vermutlich bereits vor über 2000 Jahren wertvolle Güter wie Salz und Bernstein sowie alltägliche Gegenstände und Nahrungsmittel wie eben Fisch transportiert. Die Hochkulturen des Mittelmeeres und Asiens benötigten Unmengen an Lebensmitteln und Luxusartikeln.

In welcher Form die Germanen und im Anschluß die Slawen auf dem Gebiet Neuensunds gelebt haben läßt sich kaum noch rekonstruieren. Durch die Wendenkreuzzüge Mitte des 12. Jahrunderts endete auf alle Fälle die Vormacht der Slawen im Gebiet zwischen Elbe und Oder. Deutsche, flämische (Fläming) und auch holländische Ritter machten sich mit ihrem Gefolge auf, die ungläubigen Slawen zu bekämpfen und zu vertreiben. Angetrieben hat sie vermutlich aber eher das Versprechen, Land im Osten zu erhalten, auf dem sie siedeln konnten. In der Realität waren die Wendenkreuzzüge bei weitem nicht so blutig, wie die parallel erfolgten Feldzüge ins heilige Land. Viele Slawenfürsten riefen sogar Siedler aus dem Westen ins Land, um braches Land zu kultivieren - gerade die Niederländer brachten wichtige Kenntnisse mit, um die vielen Sümpfe trocken zu legen. Es ist die Zeit der Integration, durch die erst die Mecklenburger, die Pommern und viele andere Volksgruppen entstanden.

In der Folge entwickelte sich das Dorf unterbrochen durch Hungersnöte und Seuchen im 12. Jahrhundert und dadurch ausgelöst dem Aufkommen von Raubrittern, zu einem Gut/Dorf mit (selten) freien Bauern und öfters wechselnden Besitzern. Die Ritter, die durch den Wendenkreuzzug ins Land gekommen waren, wurden zu Großgrundbesitzern. Ihre Namen prägen die Geschichte der Mark, Mecklenburgs, Pommerns und anderer Gebiete Deutschlands bis 1945. Darunter auch seit 1150 die Familie des holländischen Ritters de Arnem, die Neuensund bereits einmal im 15 Jahrhundert als Pfand erhielten und dessen Nachkommen unter dem Namen von Arnim Neuensund ab ca. 1760 besitzen und formen sollten.

Die Geschichte des heute erkennbaren Gutes Neuensund begann um 1760 als Landrat Ernst III. von Arnim Lützlow den Plan fasste, sein Kapital in einem zusammenhängenden Gut zu investieren. Er begann neben ererbten Gebieten rund um Neuensund weitere hinzuzukaufen. Sein Tod verhinderte, daß er die Verwirklichung seiner Pläne noch erleben durfte. Die setzte im Folgenden sein Sohn ca. 1780 mit dem kompletten Neubau des Gutes inklusive Gutshaus, Stallungen, Scheunen, dem Verwalterhaus, Wohnhäusern und Landarbeiterhäusern um. Nach weiteren Landgewinnen wuchs das Gut mit zeitweise mehr als 800 Hektar und fast einem halben Dutzend Nebengütern zum zweitgrößten Gutsbesitz Mecklenburgs heran. Zu dieser Zeit erlebte der Gutshof in den deutschen Ländern östlich der Elbe seinen Höhepunkt. Die Leibeigenschaft ehemaliger Fronbauern des Ortes - die durch den Gutsbau ihre letzten Freiheiten verloren - sowie Neuerungen in der Landgewinnung und Bewirtschaftung sorgten für überdurchschnittliche Ernteerfolge und einen exorbitanten Anstieg der Einkünfte für die Gutsbesitzer.

Und doch waren die Jahre nach dem Bau des Gutes auch entbehrungsreich. Napoleons Aufstieg begann und ging einher mit verheerenden Kriegszügen, die Preußen und damit auch Mecklenburg mehrmals verheerten. Männer und Materialien wurden immer wieder aus dem Gut abgezogen – viele blieben auf den Schlachtfeldern Europas. Als sich das Blatt wendete und Preußen gegen seinen Besatzer vorgehen konnte, fiel in den Befreiungskriegen auch ein Mitglied der Familie von Arnims Neuensund. 1817 starb der gerade mal siebzehn Jahre alte Sohn der von Arnims irgendwo in Europa im Kampf gegen Napoleons Armeen. Von ihm zeugt der Gedenkstein, den seine Eltern ihm im Neuensunder Park haben setzen lassen und in dessen Nähe beide sich in einer Gruft begraben liessen.

Die wirtschaftliche Situation in Neuensund verbesserte sich wieder nachdrücklich ab 1816, eine Folge des Friedens des Wiener Kongresses. Die nächste Generation der von Arnims übernahm in dieser Phase den Gutshof. Hans Carl Friedrich von Arnim heiratete im Jahr 1840 Marie von Heyden. Im Zuge der Hochzeit begannen umfangreiche Umbauarbeiten auf dem kompletten Gut. Die von Arnims waren auf dem Gebiet der Landwirtschaft und Technik richtungsweisend. Ihre Zusammenarbeit und Freundschaft mit dem Begründer der wissenschaftlichen Landwirtschaft Thaer sorgte für überdurchschnittliche Steigerungen in der Produktion. Zudem experiementierte man mit der Produktion exotischer Früchte in Wärmehäusern und der Neuzüchtung von Schafen. Schon frühzeitig setze man auf Dampfkraft, elektrisierte den Betrieb und nutzte modernste Techniken im Bereich der Landwirtschaft sowie der Viehhaltung. Und auch die Gutsarbeiter, die auf Neuensund als eine der ersten Ihre "Befreiung" von der Leibeigenschaft erlebten, wurden gute Versorgt mit modernen Häusern, eigenen Ställen, einem umfangreichen Deputat, einer Dorfschule, freier medizinischer Versorgung und einem kleinen Entgeld. Und doch sollte man sich von der romantisierten Vorstellung dieser paternalistischen Herrschaft auf Gut Neuensund nicht täuschen lassen. Der Gutsherr war Richter auf seinem Grund, entschied über Hochzeiten und Wohnort und beschnitt so die Freiheit der doch eigentlich freien Menschen beträchtlich - ganz im Gegensatz zur Entwicklung im Rest von Deutschland, wo es auch Ausbeutung und Unfreiheit gab, wo aber auch Bauernbefreiung und Emanzipation wesentlich weiter fortschritten.

Der Erfolg des Gutes spiegelte sich auch und vor allem im Umbau des Gutshauses 1840 wider. Heute kann man im Rohbau des Hauses, welches nach 1995 von allen Umbauten und Umnutzungen befreit wurde, jene Größe, Schönheit und Sinnhaftigkeit der Zimmerfolge und –ausrichtung wiedererkennen, wie sie einst einmal geplant war. Ebenso veränderte Peter Joseph Lenné den vorhandenen Park hinter dem Gutshaus in einen englischen Garten mit barocken Elementen.

Doch schon einige Jahrzehnte später suchten sich die von Arnims einen neuen Familienwohnsitz und nutzten fortan Neuensund ausschließlich als Sommerfrische. Das Gut wurde in die Hände einer Ritterschaftsbank gegeben, die für die Verwaltung und die Erwirtschaftung vernünftiger Renditen verantwortlich war. Bis 1945 änderten sich immer wieder Kleinigkeiten auf dem Hof, es wurde gearbeitet und der Arbeit wurde die Struktur wenn nötig angepasst. Aber alles in allem durchlebte das Gut bis zum Ende des zweiten Weltkrieges eine friedlichere und geordnetere Zeit als viele andere Regionen in Deutschland.

Mit dem Eintreffen der Roten Armee im Frühjahr 1945 sollte sich vieles ändern. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gut von den Ideen der sozialistischen Ideologie umgeformt. Das Gutshaus entging nur knapp einem Abriß und wurde durch die Notwendigkeit der Unterbringung von zahlreichen Flüchtlingen kurzfristig in eine Unterkunft, später zu regelrechten Wohnungen und einer Kinderkrippe umgebaut. Bei Renovierungsarbeiten entfernte man den einfachen Schmuck an der Fassade und ersetzte ihn durch einen (zu unserem Bedauern) äußerst haltbaren Putz. Der Zweck bestimmte nun das Aussehen des Hauses. Der restliche Gutshof mit den Stallungen und Scheunen wurde erst sozialistisch mit der Bodenreform an viele Kleinbauern verteilt, um kurze Zeit später durch eine radikale Wende in der Agrarpolitik in LPG gezwungen zu werden, die die Gebäude ihrem Zweck entsprechend weiternutzten. Viele dieser Gebäudeteile blieben daher so, wie sie ihrem Zweck entsprechend gebaut worden waren, nahezu unverändert bestehen.

Die Wende 1989/90 verursachte eine weitere Zäsur im Ort. Der Reittourismus, der Neuensund in der DDR berühmt gemacht hatte, versiegte. Die Ländereien der LPG wurden erst verpachtet und später verkauft. Die Gebäude des Gutshofes waren für die moderne und hochtechnisierte Landwirtschaft nicht mehr geeignet. Das Gutshaus litt unter dem Wasser, welches über undichte Dächer und Wasserleitungen in das Holz und den Lehm eindrang. Der Schaden wurde so groß, daß die Bewohner 1995 ihre Wohnungen innerhalb weniger Stunden verlassen mußten und nicht mehr zurückkehren durften.

Und so begann der Dornröschenschlaf, aus dem das Gut nun wieder langsam erwacht.

Ein Großteil der historischen Fotos wurde uns von dem Urenkel des Oberschweizers (damalige Berufsbezeichnung) Johannes Knöpfel, der Anfang des 20 Jh. aus der Schweiz nach Neuensund kam, zur Verfügung gestellt. Familie Knöpfel ist später wieder in die Schweiz zurückgekehrt und nur dank Internet und der intensiven Ahnenrecherche des besagten Urenkels haben diese Fotos zu uns gefunden. Unser großer Dank dafür in die Schweiz!
Weitere Fotos wurden uns von der Neuensunder Familie Kulow zur Verfügung gestellt, die sich über die Jahrhunderte in Neuensund vom Kossäten bis zum Bürgermeister hochgearbeitet haben und auch heute noch einen geschätzten Namen in der Region tragen. Vielen Dank auch ihnen.

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DAS GUTSHAUS

wurde um 1780 vermutlich auf älteren Gebäuderesten errichtet. Es gibt die bislang nicht bestätigte Theorie, daß einige der Gebäude auf Resten älterer Dorfgebäude errichtet wurden. Diese Theorie ergibt sich aus der Tatsache, dass das Haus auf teilweise vorhandenen Natusteinfundamenten als Ziegelwerk mit Fachwerkelementen errichtet ist, was sich im Keller noch gut erkennen läßt.

Dem sachlich-wissenschaftlichen und klaren Charakter des Gutsherren folgend wurde das Herrenhaus wie zu der Zeit üblich in einem schlichten neoklassizistischen Stil errichtet. Der preußische Stil war den Notwendigkeiten der Zeit angepasst und ließ ökonomische Notwendigkeiten und wissenschaftliche Disziplin erkennen. Dabei besaß es aber doch einige barocke Schmuckelemente wie z.B. das Ochsenaugenfenster im Giebel. Die Strukturierung der Fassade erfolgte über die Fenster, Fensterbänke, Firste, Gauben und Fassadenausformungen im Putz. Alle Räume hatten Kachelöfen oder Kamine, die meistens aus dem dahinterliegenden Raum oder Flur von Bediensteten mit Torf oder Buchenholz beheizt wurden.

Die ursprüngliche, doppelläufige Freitreppe war ungewohnt steil und führte zu einer großen, doppelflügigen Tür. Die Vorderfront war durch feine Gliederung des Putzes vertikal strukturiert. Die horizontale Ordnung ergab sich durch hervorgehobene Simse und Fensterbretter. Die ursprüngliche Farbe des Hauses soll ein mattgraues Gelb gewesen sein. Die Gebäudeform war nicht eindeutig. Grundform Barock, ebenso Portal und Freitreppe, dagegen erkennt man in der Form der Fenster eher klassizistische Elemente . Um 1850 wurde mit dem Einbau eines großen Wassertanks unter dem Dach das Zeitalter des im Hause fließenden Wassers eingeläutet. Eine Dampfmaschine pumpte regelmäßig Wasser hinauf, welches dann u.a. im neu eingebauten Badezimmer mit metallener Wanne im Untergeschoss genutzt werden konnte. Somit war Gut Neuensund noch vor dem Königshaus im Besitz fließendes Wassers sowie einer Badewanne im Haus.

Nach dem 2. Weltkrieg waren in dem Gutshaus Flüchtlingsfamilien untergebracht. Die Einwohnerzahl schnellte nach 1945 kurzfristig von ca. 150 auf über 400 Bewohner an. Die Notwendigkeit des Wohnungsbaus rettete das Gutshaus, welches schon zum Abriss vorgesehen war. Feudale Symbolik sollte beseitigt werden und wurde dann doch für die Deckung des alltäglichen Wohnungsbedarfs genutzt. Kleine Wohneinheiten aus meistens nur einem Zimmer verhalfen vielen Menschen schnell ein Dach über dem Kopf. Zu Zeiten der DDR, als sich die Flüchtlingssituation entspannte, wurde das Gebäude in größere Wohneinheiten und einen Kindergarten umgebaut. Im Zuge dessen wurden die Gauben aus dem Dach entfernt und die Fassade von allem Zierrat befreit. So war es bis Mitte der 90er Jahre bewohnt, bevor wegen akuter Einsturzgefahr alle Einwohner ausziehen mussten. Vor allem im Bereich der eingebauten Küchen und Bäder machten sich durch erhöhte Feuchtigkeit Schimmel und Schwamm breit.

Heute ist das Gutshaus im Inneren wieder auf seine urspüngliche Raumaufteilung zurückgebaut worden, so daß man die Konzeption des Baues erkennen kann.  Leider ist die Substanz ansonsten sehr angegriffen. Die hochwertigen Baumaterialien - altes Eichenholz sowie Ziegel und Lehm aus eigener Herstellung - haben vor allem unter Wassereinfluß durch die eben genannten Bäder und Küchen sowie undichte Dachbereiche gelitten. Wenn man durch die verfallenen Räume streift erahnt man die Schönheit des Gebäudes in seinen besten Zeiten. Gutsherren werden hier wohl nicht wieder mit ihrer Entourage einziehen. Es existieren wohl einige Ideen zur Nutzung für das Herrenhaus, allerdings kein konkretes Konzept. Und leider fehlen vor allem noch die finanziellen Mittel, überhaupt den ersten Schritt bei der Sanierung zu machen.

DAS VERWALTERHAUS

ist das älteste Haus des Gutshofes, hier lebte und arbeitet zu Zeiten v. Arnims der Gutsverwalter. Einige Überbleibsel aus dieser Zeit können Sie auch heute noch im Haus finden. Zu DDR-Zeiten war die jetzt als Gästebereich genutzte Fläche in vier Wohneinheiten unterteilt - wir haben diese zurück gebaut und den ehemaligen Raumzustand wieder hergestellt. Um diese Aufteilung, die auch den Charme des Hauses ausmacht, nicht wieder zerstören zu müssen, haben wir die Räume genommen wie sie waren und bestmöglich aufgeteilt. So sind nun 8 Gästezimmer, 4 Bäder, eine Bibliothek und eine Gemeinschaftsküche entstanden, die sowohl einzeln, als kleinere Einheiten mit je zwei Zimmern und einem Bad und als auch im Ganzen gemietet werden können. Wir wünschen uns, dass sich unsere Gäste kennen lernen und sich auch im Hause in den gemeinsamen Räumen treffen können.

DER KORNSPEICHER

Ursprünglich ausschließlich als Pferdestall konzipiert, wurde das Gebäude in den 1930ern zum Konspeicher umfunktioniert. Auf den oberen beiden Ebenen wurde das Korn gelagert, später wurde eine Kornpumpe eingebaut.

Am nördlichen Giebel erkennt man die beiden Luken, durch die die Kornsäcke eingeladen wurden. Ganz oben existiert noch ein funktionstüchtiger Seilzug. Die Rundbögen - vermutlich ehemalige Fenster oder Luken zu den Pferdeställen - wurden bei der Sanierung des Gebäudes von der Verputzung ausgenommen.

Der südliche Giebel. Dieser nachträgliche Anbau beherbergte erst eine Sattlerei. Mittlerweile ist ein wohnlicher Raum daraus geworden und beherbergt unsere Küche und den Frühstücksraum für unsere Gäste. Die Besonderheit liegt hierbei im Keller. Der besteht aus einem Gewölbe, welches ehemals eine Zollstation gewesen soll. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich das Niveau des Bodens, so daß wir nun einen Keller haben, in dem Schießscharten die Kellerfenster ausmachen.

Die Kunst des Sachbaues zeigt sich auf dem Dachboden. Holz, Lehm, Ziegelsteine und noch einmal Holz bestimmen die Wahrnehmung aller Sinne. Der gewaltige Dachstuhl und die Einfachheit des hölzernen Dielenfußbodens beschirmen und sorgen für Geborgenheit. Über diesem geräumigen Dachboden, der als Yoga- und Seminarraum genutzt werden kann, liegt der Spitzgiebel - hier wohnen diverse Fledermaus-Familien und ziehen Ihre Jungen auf. In der Dämmerung kann man die Familien bei den Flugübungen über den Hof beobachten. Fledermäuse stehen unter Naturschutz und dürfen daher nicht gestört werden - wir bitten daher unsere Gäste immer besonders, darauf Rücksicht zu nehmen.

DER KUHSTALL

Die Ställe des Gutshofes sind beide in einer kombinierten Feldstein- & Ziegelbauweise errichtet worden. Neben den zwei Stallungen des heutigen Gutsensembles gibt es in der Nachbarschaft noch mehr dieser Bauten, die inzwischen in Wohnhäuser umgebaut wurden. Eines sieht man hieran aber, das ganze Dorf war einmal „das Gut“.

Oben wurde das Heu geladen, unten standen die Kühe und Schweine herum. Ursprünglich gab es hier zwei einzelne Stallungen. Beide Gebäude wurden irgendwann miteinander verbunden, um weiteren Platz zu generieren. Im Dachstuhl kann man die Trennung auch heute noch klar und deutlich erkennen.

Heute beherbergt der Kuhstall noch einige  gesammelte landwirtschaftliche Geräte und Maschinen. Zukünftig sollen hier allerdings private Ferienwohnungen errichtet werden.

DER PFERDESTALL

Pferde waren auf dem Gut bis ins späte 20. Jahrhundert hinein die wichtigste Arbeitskraft überhaupt. Dementsprechend war der Status der Gespannführer recht hoch. Ihre oft mehrere dutzend Tonnen schweren Gefährte, die zumeist ungebremst gewesen sind, heile mit Korn, Heu oder anderen Erzeugnissen auf den Hof zu bringen, entschied über den Erfolg oder Mißerfolg eines Geschäftsjahres. Der Berufsethik dieser Männer folgend war es aber auch oberste Pflicht des Gespannführers, das Wohl des Pferdes über das eigene zu stellen. So wurden an jedem Tag – auch Sonntags – zuallererst die Pferde versorgt bevor man an das eigene Wohl oder den Gang zur Kirche dachte.

Der heutige Pferdestall bestand ursprünglich aus zwei separaten Gebäudeteilen. Die Verknüpfung der beiden Teile kann man heute noch an der Fassade und im Dachstuhl erkennen. Auf die Funktion der beiden Gebäudeteile hatte diese Verbindung keinen Einfluss. Der eine Gebäudeteil diente den Last- und Arbeitstieren als nächtlicher Unterstand. Sie standen nebeneinandergereiht vor ihren Wasser- und Futtertrögen. Der andere Gebäudeteil war den Reit- und Zugpferden für die Herrschaften vorbehalten. Da die Pferde hier nicht jeden Tag bewegt wurden gab es für jedes von Ihnen ein Box mit fast allen Annehmlichkeiten, die es auch heute in modernen Ställen gibt.

Der Pferdestall bietet ebenso wie der Kuhstall eine einfache aber gerade dadurch ausdrücklich schöne Bauweise mit Holz, Ziegeln, Feldsteinen und Lehm. Wir möchten hier wieder einige der Tiere beherbergen, die ursprünglich zum Hof gehört haben. So Pferde, Schafe oder Ziegen (die uns schon als natürlicher Rasenmäher ein wenig Arbeit auf den riesigen Flächen abnehmen sollen). Und auf dem ganzen Hof sollen in den nächsten Jahren wieder Bienen, Hühner, Enten, Schweine, Tauben und viele Tiere mehr Einzug halten. Sie bestimmten dereinst das Leben auf dem Gut und ohne sie wird das Ensemble nicht wieder seine ursprüngliche Lebendigkeit entwickeln.

Der LENNÉ PARK

Der gutseigene Park wurde um 1790 vom ersten Gutsherren von Arnim angelegt. Um 1840 wurde dieser Park von Peter Joseph Lenné im englischen Stil neu gestaltet. Hier finden sich noch heute eine Vielzahl unterschiedlichster Baumarten und Sträucher, auch ein kleiner See wurde der Landschaftsstruktur angepasst. Er stellt die Grenze dar zwischen dem heute parkähnlichen Teil hinter dem Gutshaus und dem  eher an einen Wald erinnernden Bereich jenseits davon. Die ehemalige Parkanlage beinhaltete auch einen für seine Zeit sehr fortschrittlichen, öffentlichen Volkspark, genannt Monplaisir. Er lag auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Gutes und war für die einfache Gutsbevölkerung bestimmt. Hiervon übrig geblieben ist nur der ehemals private Park hinter dem Gutshaus. Aus Monplaisir wurde ein Wald.

Unser Park hat insgesamt eine Fläche von ca. 3 ha. Die Natur bestimmt hier über eine ideenortientierte Wiederherstellung. Über 175 Jahre sind vergangen, seitdem Lenné den Park gestaltete. Zahlreiche Bäume sind seitdem gefällt worden oder sind einfach eingegangen. Die Standorte von Sträuchern und Hecken sind kaum noch zu rekonstruieren. Und die ursprünglich aus Nordamerika stammende Robinie ersetzt im Park immer öfter die heimischen Bäume, au denen der Park ursprünglich mal bestand. Uns mangelt es darüber hinaus an geeigneten Maschinen und Werkzeugen und vor allem…an Zeit und Arbeitskraft. Und so sehen wir die Wiedergestaltung des Parkes wie eine große Briefmarkensammlung: sie wird niemals vollständig werden, aber das Sammeln macht Spaß.

ACHTUNG: Das Betreten des Parkes ist zu jeder Zeit gestattet, allerdings nur auf eigene Gefahr. Während oder kurz nach einem Sturm sowie im Winter möchten wie Sie bitten, auf einen Besuch zu verzichten. Wir bemühen uns darum, Totholz und marode Bäume zeitnah aus Sicherheitsgründen zu entfernen, können aber mit unseren Mitteln nicht garantieren, daß wir damit immer auf der Höhe der Notwendigkeiten sind. Bitte achten Sie bei dem Besuch auch darauf, keinen Müll zu hinterlassen. Jeder Müllsünder wird zur Verantwortung gezogen.